Diskussionshinweis zum Begriff des Rückfalls bei Alkoholkrankheit

Der Begriff des Rückfalls wird bei Alkoholikern meist sehr kontrovers diskutiert; hier eine Anregung zum Umgang mit dem Thema:

Rückfall - altes Denken und neues Denken

ALTES DENKEN NEUES DENKEN
Rückfälle sind Ausdruck schlechter Behandlung und eigenen Versagens. Rückfälle sind Bestandteil jeder Entwicklung. Oft zeigen gerade Rückfälle, daß Verkrustetes aufbricht.

Bei Rückfall war die ganze Behandlung vergeblich: der Patient hat versagt.

Rückfälle sind die Regel und nicht die Ausnahme.

Rückfälle sind ein weiterer Schritt auf dem Wege der Selbstzerstörung.

Rückfälle sind Entwicklungschancen.

,,Rückfälle sind autonome Prozesse, da kann man nichts machen!"

Rückfälle sind als aktive Gestaltungsversuche zur Bewältigung eigener Lebensprobleme zu respektieren.
Rückfälle sind Ausdruck von Gleichgültigkeit, fehlendem Abstinenzwillen und von Uneinsichtigkeit. Rückfälle sind sinnhafte Handlungen (wie auch das Suchtverhalten an sich). Rückfälle sind als Widerstand auch positiv zu würdigen.
Der Rückfall endet im Siechtum. Er ist Ausdruck einer ,,klaren Entscheidung zum Weitertrinken". Rückfälle sind Selbstheilungsversuche (z.B. zur Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls).
Wesentliche Rückfallursache ist das Verlangen nach Alkohol. Rückfälle sind erklärbar, sie fallen nicht vom Himmel: Rückfall ist nicht gleich Rückfall.
Das erste Glas endet im Kontrollverlust. Abstinenz ist nicht der zentrale Gradmesser für die Beurteilung einer Behandlung.
Der Weg aus der Sucht braucht Zeit.

©2001 Dr. Michael Pelz, Wupperstraße 36 - 38 , 42651