Merkblatt für Angehörige von depressiv Kranken

Ihr Angehöriger leidet an einer Erkrankung, die in der Fachsprache "Depression" genannt wird. Im Volksmund wird sie auch als Melancholie oder Schwermut bezeichnet. Die folgenden Hinweise sollen Ihnen helfen, die Erkrankung besser zu verstehen und Ihrem kranken Angehörigen eine Stütze zu sein.

Was sind Depressionen?

Depressionen sind ernstzunehmende Erkrankungen, die unbedingt einer ärztlichen Betreuung bedürfen.

Die Patienten empfinden über mehrere Monate eine meist grundlose Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, ängstliche innere Unruhe oder auch einen allgemeinen Energiemangel. Diese Anzeichen sind oft gepaart mit Schlaflosigkeit und körperlichem Mißempfinden (z. B. Druck- und Engegefühl in der Herzgegend, Kopf- und Kreuzschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden).

Ausgelöst werden diese Beschwerden durch eine zeitweilige Störung im Nervenstoffwechsel. Die Veranlagung dazu kann vererbt sein (etwa wie bei der Zuckerkrankheit), aber auch eine langfristige seelische Überforderung kann zur Erkrankung führen.

Jede Depression ist zeitlich begrenzt, d. h. sie klingt nach einer gewissen Zeit ab, und der Patient ist wieder gesund. Bei Veranlagung muß allerdings mit einem späteren Wiederauftreten gerechnet werden (phasenhafter Verlauf). Obwohl die Erkrankung vorübergehend ist, ist sie doch gefährlich, weil übersteigerte Schuldgefühle und Angst sich zu absoluter Hoffnungslosigkeit entwickeln können, so daß Selbstmordgedanken aufkommen. Dies ist auch der Grund, warum jeder Depressive in die Obhut eines Arztes gehört. Der Arzt hat die Möglichkeit, die Krankheit sowohl mit Medikamenten (Antidepressiva) als auch mit Gesprächstherapie zu beeinflussen.

Die medikamentöse Behandlung ist deshalb wichtig, weil diese die Nervenstoffwechselstörung ausgleicht. Ist die Störung beendet, sind Medikamente in den meisten Fällen nicht mehr nötig.

Was können Sie für den Kranken tun?

Helfen Sie Ihrem Angehörigen, die Krankheit zu verstehen und bestärken Sie ihn darin, regelmäßig den Arzt aufzusuchen. Begleiten Sie ihn in die Sprechstunde.

Zeigen Sie Verständnis für die Erkrankung, bestätigen Sie Ihrem Angehörigen, daß er krank ist, aber betonen Sie auch immer wieder, daß die Erkrankung vorübergeht und er wieder ganz gesund werden wird.

Haben Sie viel Geduld, lassen Sie den Patienten sprechen, zeigen Sie Verständnis für seine oft nicht wirklich vorhandenen Probleme, verhindern Sie aber, daß aus übersteigerten Vorstellungen des Kranken einschneidende Konsequenzen gezogen und Entscheidungen getroffen werden, die nicht mehr rückgängig zu machen sind (z. B. Aufgabe der beruflichen Tätigkeit, Hausverkauf, Scheidung etc.).

Überwachen Sie die Anordnungen des Arztes, achten Sie darauf, daß das Medikament regelmäßig eingenommen wird. Zu Beginn der Behandlung auftretende Nebenerscheinungen wie Mundtrockenheit, Schwitzen, leichtes Schwindelgefühl und Herzklopfen sind in der Regel harmlos und gehen meist im Verlauf der Behandlung von selbst zurück. Lassen Sie auf keinen Fall zu, daß das Medikament ohne Wissen des Arztes abgesetzt oder durch ein anderes ersetzt wird.

Ermuntern Sie Ihren Angehörigen zu kleinen, spielerischen Beschäftigungen, aber nehmen Sie ihm schwierige Probleme ab. Machen Sie den Patienten auf kleine Fortschritte aufmerksam und erklären Sie ihm, daß die Genesung nicht geradlinig verläuft, sondern auch kleine Rückschritte zum Krankheitsbild gehören.

Was sollen Sie nicht tun?

Zweifeln Sie nicht an der Echtheit der Erkrankung und versuchen Sie nicht, den Patienten durch forsche Ermunterung anzutreiben (,,Stell Dich nicht so an!", ,,Sei nicht so zimperlich!", ,,Reiß Dich zusammen!").

Überlassen Sie den Kranken nicht sich selbst, lassen Sie ihn möglichst wenig allein. Versuchen Sie nicht, den Kranken durch übertriebene und vordergründige Lustigkeit aufzumuntern. Schicken Sie den Kranken nicht allein in Ferien oder zur Kur!